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Zur Biographie unserer Namenspatronin Alice Salomon

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Alice Salomon (1)

 

Als Gründerin der ersten deutschen „Sozialen Frauenschule" machte sich die Volkswirtschaftlerin, Sozialpädagogin, Sozialpolitikerin und Feministin Alice Salomon (1872–1948) einen Namen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war sie in der Frauenbewegung eine der führenden Feministinnen Europas. Außerdem spielte sie als „Missionarin des sozialen Gedankens" eine wichtige Rolle. Sie gilt als Begründerin des sozialen Frauenberufes in Deutschland.

 

 


Alice Salomon kam am 19. April 1872 als viertes Kind des jüdischen Lederhändlers Albert Salomon und seiner Frau Anna, geborene Potocky-Nelken, in Berlin zur Welt. Sie besuchte eine neunklassige „Höhere Töchterschule" und wollte Lehrerin werden, was ihr jedoch die Eltern verweigerten. Nach dem Verlassen der Schule bildete sie sich durch Privatunterricht fort.


Mit 21 Jahren ging Alice Salomon 1893 zur Gründungsversammlung der Berliner „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit". Durch ihre ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich lernte sie aus eigener Anschauung das Elend der Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter kennen.

Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in England wurde Alice Salomon 1896 mit der Idee der Settlementbewegung vertraut, die ihr weiteres soziales Engagement beeinflusste. Ab 1899 fungierte sie als Vorsitzende der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit". In dieser Funktion organisierte sie den ersten Jahreskurs für Berufsausbildung in der Wohlfahrtspflege. In jenem Jahr nahm sie auch am Kongress des „Internationalen Frauenbundes" („International Council of Women" = ICW) in London teil.


 Im Alter von 28 Jahren wurde Alice Salomon 1900 in den Vorstand der Dachorganisation der deutschen Frauenbewegung, den „Bund deutscher Frauenvereine" (BDF), gewählt. Von 1900 bis 1920 wirkte sie als Schriftführerin und stellvertretende Vorsitzende des BDF. Ihre Wahl zur ersten Vorsitzenden dieses Verbandes scheiterte an antisemitischen Strömungen im BDF und verletzte sie sehr.


Zwischen 1902 und 1906 studierte Alice Salomon an der Berliner Universität Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie. 1904 nahm sie am Kongress des ICW in Berlin teil. In ihrer Dissertation befasste sie sich mit den „Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit". Sie promovierte 1906 in Berlin als eine der ersten Frauen zum „Doktor der Philosophie".

 1908 hob Alice Salomon in Berlin-Schöneberg zusammen mit anderen die „Soziale Frauenschule", die sie bis 1924 leitete, aus der Taufe. Dort unterrichteten Lehrerinnen wie Gertrud Bäumer (1873–1954), Frieda Duensing (1864–1921) und Margarete Treuge (1876–1962) und bildeten junge Mädchen und Frauen für die soziale Arbeit aus.

 Beim Kongress des ICW in Toronto (Kanada) wurde Alice Salomon 1909 zur Schriftführerin gewählt. Im Alter von 42 Jahren trat sie 1914 in die evangelische Kirche ein. Von 1917 bis 1933 leitete sie als Vorsitzende die von ihr initiierte „Konferenz sozialer Frauenschulen" in Deutschland.

 1925 gründete Alice Salomon in Berlin die „Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit", wurde deren erste Vorsitzende und Herausgeberin einer Schriften- und Forschungsreihe. Die Akademie widmete sich der Fortbildung von Führungskräften der Sozialarbeit und besaß eine eigene Forschungsabteilung. Ab 1929 bekleidete Alice das Amt der Vorsitzenden des neugegründeten „Internationalen Komitees Sozialer Schulen".

 Anlässlich ihres 60. Geburtstages 1932 erfuhr Alice Salomon hohe Ehrungen. So verlieh ihr die Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin den Ehrendoktortitel „Dr. med. h. c.". Das Preußische Staatsministerium bedachte sie mit der „Silbernen Staatsmedaille". Die „Soziale Frauenschule" erhielt zur Erinnerung an sie den Namen „Alice-Salomon-Schule". Im selben Jahr wählte man sie auch zur stellvertretenden Vorsitzenden des „Internationalen Frauenbundes".


 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verlor Alice Salomon alle ihre Ämter. Sie selbst veranlasste die Auflösung der „Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit", um ein Eingreifen der „Geheimen Staatspolizei" (Gestapo) zu verhindern. 1937 stellte man sie nach einem Verhör durch die Gestapo vor die Wahl, in ein Konzentrationslager (KZ) verschleppt zu werden oder innerhalb weniger Wochen zu emigrieren.

 Bevor sie 1937 in die USA floh und sich in New York niederließ, schrieb Alice Salomon einen Abschiedsbrief an ihre Freundinnen: „Ich gehe in ein Leben des Kampfes um Brot – aber guten Mutes in froher Zuversicht – völlig ungebrochen in geistiger und sittlicher Kraft, in meinem Wertgefühl, das nicht von außen beeinträchtigt werden kann. Das Eine, wozu meine Kraft nicht reicht, ist zum persönlichen Abschiednehmen."

 In den USA war Alice Salomon durch Reden und Vorträge vor amerikanischen Frauen sowie sozialen Komitees und Institutionen und in den 1920-er und 1930-er Jahren bekannt. 1939 verlieh man ihr die Bronzemedaille der „Young Men’s Christian Association". Auch als Schriftstellerin war Alice Salomon sehr aktiv: Ihr literarisches Werk umfasst etwa 15 Bücher und über 400 Aufsätze.

 Am 30. August 1948 starb Alice Salomon im Alter von 76 Jahren an ihrem letzten Wohnort New York. Aus der „Sozialen Frauenschule" ging 1971 die „Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik" in Berlin-Schöneberg (seit 1998 als „Alice-Salomon-Fachhochschule" in Berlin-Hellersdorf) hervor. 1989 gab die „Deutsche Bundespost" eine Briefmarke mit dem Porträt der Sozialpädagogin, Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin heraus.(2)

 

 

Quellennachweise:

(1) Die oben abgebildete Briefmarke wurde von der Deutschen Bundespost bzw. der Deutschen Bundespost Berlin herausgegeben. Als Amtliches Werk ist sie nach §5 Abs. 1 UrhG gemeinfrei. (2) Alice Salomon: Die Missionarin des sozialen Gedankens. Veröffentlicht von Ernst Probst. Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler. Link zur Quelle (2010-03-02)